Traditionelle chinesische Kultur
Erster Frost: kleine Bewegungen im Sitzen, Stehen und Gehen

Dieser Text ist aus bereits veröffentlichten Darlegungen zusammengestellt. Er zitiert alte chinesische Schriften, fremde Worte oder wissenschaftliche Erörterungen und ist als kulturelle Lektüre über die überlieferte Pflege des Lebens gedacht. Aussagen über den Körper und über das, was die Übung vermag, gehören den angeführten Quellen oder dem ursprünglichen Sprecher. Sie sind kein medizinisches Versprechen und kein klinischer Rat der Betreiber dieser Website.
Herausgeber Hu Xiaofei, Text Peng Xiangji und Li Jing.
Der Erste Frost ist der letzte Jahresabschnitt des Herbstes. Ein altes Gedicht sagt: «Zur späten Herbstzeit wird der Tau zu Frost.» Das Yueling Qishier Hou Jijie sagt: «Mitte des neunten Monats: das qi ist streng und verdichtet sich, der Tau gerinnt zu Frost.» Das Klima wird kälter, es beginnt der erste Frost. Im Gelben-Fluss-Becken zeigt sich bereits weißer Frost; die Felder liegen silbern.
Das alte Buch Vierundzwanzig Jahresabschnitte erläutert sagt: «Das qi ist streng und der Frost fällt; das Yin beginnt zu gerinnen.» In der Meteorologie heißt der erste Frost des Herbstes Frühfrost oder Anfangsfrost, der letzte Frost des Frühlings Spätfrost oder Endfrost.
Vier Hinweise zum Ersten Frost
- Zur Speise gilt: «Den Winter zu nähren ist nicht so gut, wie den Ersten Frost zu nähren.» Die Herbstnahrung gilt mehr als die Winternahrung. Die chinesische Medizin sagt zudem, zum Ersten Frost passe die milde Nahrung; die Kost möglichst leicht, das Salz nicht zu viel.
- Im Alltag warm halten, morgens nicht ausschlafen. Das Sprichwort sagt: «Der Erste Frost zählt noch nicht als kalt; der Erste Frost ändert das Wetter.» Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wächst; man soll Kleidung anlegen. Morgens liegt in der Schlafkammer die trübe Luft der Nacht, die die Atemwege belastet; deshalb nicht im Bett bleiben, früh schlafen und früh aufstehen.
- Die Bewegung soll Bewegung und Ruhe gut verbinden. Der Erste Frost fällt meist in den neunten Mondmonat; das Lungen-Metall ist am Werk. Die Bewegung soll nicht übermüden, erst recht nicht oft stark schwitzen, damit das Yang-qi nicht nach außen entweicht und das Yin-Säfte nicht verzehrt werden und die Widerstandskraft schwächer wird.
- Das Gemüt soll fest bleiben. Nach dem Ersten Frost werden Gras und Blätter gelb und fallen; der Mensch neigt zu Sorgen. Die Haltung wahren und Heiterkeit pflegen.
Sitzübung zum Ersten Frost
Aus Wu Zhichao und Hu Xiaofei, Erläuterung der Daoyin-Übung zur Körperpflege.
- Ablauf: die fünf qi des Yangming.
- Zeit: Fuß-Taiyang-Blase, kaltes Wasser.
Aufrecht sitzen. Beide Hände ausstrecken und die Füße greifen; die Glieder lösen, beide Beine strecken, dann die Hände zurückführen. So fünf- bis siebenmal. Dann die Zähne klappern, aus- und einatmen, den Speichel schlucken.
Im Original genannte Indikationen: rheumatische Blockade in Lenden und Beinen, Oberschenkel nicht beugbar, Schmerz an Nacken, Rücken, Lenden, Kreuzbein, Innenschenkel, Knie und Hüfte, Muskelschwund, Schwellung unten, Eiter und Blut im Stuhl, spannender Schmerz im Unterbauch, Harndrang ohne Können, Organvergiftung, Sehnenkälte, Fuß-qi, alte Hämorrhoiden, Mastdarmvorfall.
Die Füße greifen und die Nieren festigen


Aus Hu Xiaofei, Die Pflegekunst des Qianlong. Demonstration Peng Xiangji.
- Mit dem Einatmen den Schwerpunkt auf das rechte Bein legen, den linken Fuß nach links öffnen, schulterbreit, Zehen nach vorn. Zugleich den Kopf nach links drehen, beide Handflächen nach innen drehen und hinter der Hüfte stützen, Handflächen nach unten, Finger nach vorn, Blick nach links hinten.
- Mit dem Ausatmen den Kopf gerade drehen, die Laogong (Anmerkung der Übersetzung: ein Punkt in der Mitte der Handfläche)-Punkte beider Handflächen auf Shenshu (Anmerkung der Übersetzung: ein Punkt in Höhe der Nieren, neben der Lendenwirbelsäule) legen. Dann vom Lendenrücken entlang der hinteren Außenseite der Beine abwärts massieren, den drei Yang-Meridianen des Fußes bis zur Ferse folgen.
- Mit dem Einatmen den Körper beugen, die Lenden senken, den Kopf heben. Beide Handwurzeln nach vorn führen, über den Fußrücken massieren, dann die Handgelenke drehen und die Knöchel umfassen. Mit dem Ausatmen den Daumen drei Sekunden auf Taixi drücken, Blick nach vorn unten.
- Mit dem Einatmen den Körper aufrichten, beide Handflächen entlang der Innenseite der Beine die drei Yin-Meridiane des Fußes massieren bis oberhalb der Knie, Blick nach vorn. Mit dem Ausatmen den Schwerpunkt nach rechts, den linken Fuß an den rechten heranziehen, beide Handflächen nach außen öffnen und an der Körperseite sinken lassen, Füße geschlossen stehen, Blick nach vorn.
Die fünfte bis achte Bewegung wie die erste bis vierte, Richtung umgekehrt. Insgesamt sechs- bis achtmal.
Schwerpunkte:
- Die Kraft kommt aus der Taille; die Bewegung langsam, die Dehnung gründlich. Beim Drehen des Kopfes soll der Seitenblick auch Jianyu erfassen.
- Beim Vorbeugen beide Beine gestreckt, die Knie nicht beugen. Den Kopf heben.
- Die Absicht auf Mingmen (Anmerkung der Übersetzung: ein Punkt im unteren Rücken, unter dem zweiten Lendenwirbel) oder auf Taixi.
- Der Atem ruhig, gleichmäßig, fein und langsam. Beim Ausatmen kann man leise den Chui-Laut speien.
Im Original genannte Übungslehre:
Die drei Yang-Meridiane des Fußes sind Fuß-Yangming-Magen, Fuß-Taiyang-Blase und Fuß-Shaoyang-Galle, verteilt an Außenseite und Rückseite der Beine. Die drei Yin-Meridiane des Fußes sind Fuß-Taiyin-Milz, Fuß-Shaoyin-Niere und Fuß-Jueyin-Leber, verteilt an der Innenseite der Beine. Beim Beugen und Aufrichten die Außen- und Innenseite der Beine zu massieren heißt, die drei Yin und drei Yang des Fußes durchgängig zu machen — also diese sechs Meridiane zu massieren.
Die Taille ist der Palast der Nieren. Die Nieren liegen beiderseits der Wirbelsäule an der Taille; die Stärke der Taille hängt mit dem Auf und Ab des Nieren-qi zusammen. Vorbeugen und Strecken können die Kraft der Lendenmuskulatur mehren und zugleich Du Mai und Mingmen reizen. Das Original sagt, diese Form wirke auf starke Taille und gesunde Nieren, auf die Stärkung von Taille und Niere und auf die Vorbeugung des Alterns.
Die chinesische Medizin hält den Chui-Laut für der Niere entsprechend. Den Mund Chui speien zu lassen, wird dargestellt als Ableiten des trüben qi der Niere und als Ordnen der Niere. Dazu das alte Wort «eine Sehne um einen Zoll länger, zehn Jahre länger leben» — das Original meint, der Übende könne dadurch die Beweglichkeit heben und das Leben verlängern.
Der göttliche Drache hebt den Kopf im Gehen


Aus Hu Xiaofei, Erwärmung vor der sportlichen Pflege des Lebens.
- Beide Beine gehen natürlich vorwärts. Beide Handflächen heben sich vor der Brust, dann die Handgelenke drehen und die Handflächen durchstecken, zugleich den Kopf nach oben heben und blicken.
- Weitergehen. Beide Handflächen von den kleinen Fingern an nacheinander zur Faust schließen, nach unten ziehen und vor die Brust holen, Blick nach vorn.
- Weitergehen. Beide Fäuste zu Handflächen, nach innen drehen, oben und unten durchstecken (rechte Hand nach oben, linke nach unten), den Kopf nach links drehen und blicken.
- Weitergehen. Beide Handflächen von den kleinen Fingern an nacheinander zur Faust schließen, vor die Brust zurückholen, Blick nach vorn.
Die fünfte und sechste Bewegung wie die erste und zweite, die siebte und achte wie die dritte und vierte, Richtung umgekehrt. Die erste bis achte Bewegung wiederholen, insgesamt sechs- bis achtmal.
Schwerpunkte: Beim Gehen der Körper mittig und aufrecht, der Schritt natürlich. Beim Rollen der Finger zur Faust im Gehen von dem kleinen Finger zum Daumen nacheinander.
Im Original genannte Wirkung: Rollen der Finger und Faustschluss reizen die Nervenenden an den Fingerspitzen, verbessern die periphere Mikrozirkulation und werden als Hilfe gegen Alzheimer im mittleren und hohen Alter dargestellt. Beim Gehen den Kopf heben und drehen reize Dazhui am Du Mai (unter dem Dornfortsatz des siebten Halswirbels) und erreiche Mehren von qi und Durchgängigkeit des Yang sowie Befeuchten der Lunge und Vertreiben der Trockenheit. Das Drehen der Unterarme reize die drei Yin- und drei Yang-Meridiane der Hand und mache so Herz und Lunge durchgängig. Das Original sagt, es diene der Vorbeugung und Behandlung der zur Zeit des Ersten Frosts häufigen Erkältung und des Hustens.
Zum Ersten Frost kann man die folgenden sechs Formen stehend üben: trockenes Baden der Yingxiang-Punkte, Massieren des Bauches entlang des Ren Mai, Klopfen des Rückens zur Durchgängigkeit des Du Mai, Drehen der Himmelssäule, der göttliche Hirsch streckt den Leib, die Füße greifen und die Nieren festigen. Im Gehen kann man vier Formen verbinden: Massieren des Bauches entlang des Ren Mai, Klopfen des Rückens zur Durchgängigkeit des Du Mai, Drehen der Himmelssäule, der göttliche Drache hebt den Kopf.